another traveling’ song

Verehrte Mitlesende,

die Stunden auf japanischen Boden sind gezählt, erste Abschiedswehen wurden in aufrechter Haltung überstanden. Bei all den Trubel und Treiben habe ich natürlich keinen Nachtrag zustande bekommen, aber man darf sicher sein, dass diese kommen werden - was lange währt wird gut!
Der Abschiedsschmerz hat Priorität und verlangt vollste Aufmerksamkeit.

Gleichzeitig darf verkündet werden, dass die große Heimreise neue spannende Berichte mit sich bringen wird. Viele Ländereien werden durchquert und Städte erkundet. Fehlenden Unterlagen sorgen für den nötigen Nervenkitzel und Unwissenheit für die entsprechende Spannung. Die Mischung ist vielversprechend.

Mein liebes Japan,

du wars mir ein guter Begleiter in diesem Jahr. Ich finde dich so schön und liebe deine Kleider, von deinen kleines Accessoires ganz abgesehen. Tolle Menschen hast du mir gebracht, die ich über die Zeit sehr zu schätzen gelernt habe. Von den ganzen anderen feinen Kleinigkeiten fange ich erst gar nicht an…
Viel habe ich über dich schimpfen müssen, aber du wohl gleichermaßen über mich. Augenscheinlich ist das in jeder guten Beziehung so.
Du hast mein Herz für dich gewonnen und ich werde viel von dir zu berichten haben. Mache dir aber keine Sorgen, unsere Geheimnisse behalte ich selbstredend für mich.
Ich werde mein Bestes geben, bald wieder zu kommen.
Bis dahin: 気をつけてください!


Ich werde dich vermissen und hoffe du mich auch.
Knicks und Kuss,
Deine Peggy

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shake the hands of time

Der Blick in den Kalender offenbarte mir dieser Tagen gnadenlos, dass die Wochen gezählt sind. Nun kommt die Realität in mein Wunderland ohne sich die Schuhe auszuziehen, geschweige denn die Floskeln der höflichen Begrüßung zu berücksichtigen und gibt das Zeichen zum baldigen Aufbruch.
Ganz dem Klischee entsprechend kommt die Frage nach der Zeit auf und die Feststellung, dass zu manchen Zeiten morgen viel früher ist als noch einmal schlafen. Morgen ist zu oft schon heute Abend, wenn sich meine Person eigentlich im Land der Räuber bewegen und der Welt ihre großen Ideen offenbaren sollte.
Gefühlt hat das neue Semester erst angefangen und schon ist es vorbei. Selten kam ich mir älter vor als beim Schreiben dieser Sätze.

So stolpre und sinniere ich wie die Berichte zuvor über Schätze der Erinnerungen, während die Zeit schon längst im Ziel wartet. Die Fluss der Berichte ist erneut ins stocken geraten und ich wieder einmal überrascht. Nun ja, inzwischen dürftet auch ihr daran gewöhnt sein.
Fangen wir also wie gewohnt da an, wo es aufhörte:


Getrieben von Wissenshunger und der Angst zeitlicher Verschwendung, bereitete ich mich nicht wie geplant auf die Einstufungstest vor. Vielmehr verschlug es mich mit einer Freundin erneut zu verschiedenen Örtlichkeiten des Landes.

Zunächst einmal ging es nach Shingû, Nachi und Hongû, um uns die bekannten Kumano Schreine anzuschauen. In Nachi konnte zudem die Liste der Superlative um eine weitere Attraktion ergänzt werden. Denn gleich in der Nähe vom Nachi-Taishya befindet sich der größte Wasserfall Japans. Der Nach-no-taki ist ganze 133 Meter hoch und in seiner Gestalt sehr beeindruckend. Für die Herren des Shintoismus kein unwichtiger Ort.
Darüber hinaus hatten wir die große Freude und Ehre an einer morgendlichen buddhistischen Zeremonie im Nachi-san Seiganto-ji Tempel teilzunehmen. Ich glaube, dass man mich selten so ehrfürchtig gesehen hat. Die Mönche machen in ihren Gewändern als auch mit ihren Gesten recht Eindruck. Zum Abschluss haben wir vom Obermönch nach Tee, Gebäck und einem kleinen Gespräch eine Orange geschenkt bekommen.
Auf den Rückweg hielten wir außerdem in Ise-shi an, wo DER Schrein der Schreine der Schreine zu finden sind. Der Ise-jingû gehört zu den wichtigsten Heiligtümer Japans und ist damit eigentlich auch auf die Liste der Superlative zu setzen. Ise-jingû besteht aus Naikû, dem Inneren Schrein, und Gekû, dem Äußeren Schrein. Beide Schreine sind etwa sechs Kilometer von einander entfernt und einen Besuch auf jeden Fall wert. Anders als die zuvor betrachteten Shinto-Stätten sind diese komplett naturbelassen und tragen keine rote Farbe oder dergleichen.

Nachdem sich unsere Füße Kyoto von diversen Wegen erholten, ging es wenige Tage später weiter nach Hiroshima. Bevor wir uns allerdings der Stadt richtig widmeten, fuhren wir zunächst mit der Fähre nach Miyajima. Diese wunderschöne Insel zählt zu den drei schönsten Landschaften Japans und ist vor allem für das im Wasser stehende Tori des Itsukushima-Jinja bekannt. Das Tori gehört im Übrigen zu den meist fotografierten Motiven des Landes. Zunehmend erschleicht mich das Gefühl, dass Japan für Superlative eine ganz hervorragendes Land ist. Denn neben diesen superlativen, landschaftlichen Schönheiten und Heiligtümern findet man auf Miyajima auch den größten Reislöffel der Welt. Plob, ein weiterer Punkt auf der Liste.
Als die Superlative abgehakt waren, haben wir den Misen bestiegen, der in diesem Bericht zu einem weiteren, immer wieder auftretenden Punkt der Beschreibung führt: Japan ist so unglaublich schön. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schön dieses Land sein kann. Entgegen meiner Gewohnheit werde ich diesmal nur die Fotos sprechen lassen. Was soll ich Worte für etwas finden, was doch gar nicht in Worte zu fassen ist. Nebenbei seien noch die Rehe erwähnt, die auf der gesamten Insel frei herumliefen. Es muss wohl nicht weiter ausgeführt werden, welch emotionalen Regungen das bei mir auslöste. Ich glaube, ich habe Freundschaften fürs Leben geschlossen.

Nachdem Miyajima ausreichend entdeckt und erobert wurde, ging es zurück nach Hiroshima. Die Stadt ist seiner Geschichte entsprechend sehr neu und modern. Besucher wie auch Einwohner werden im Zentrum überall mit dem tragischen Vorfall konfrontiert. Straßen- und Gebäudenamen tragen den Frieden in sich, Denk- und Mahnmäler häufen sich. Jeden Tag um 8.45 Uhr erklingt ein Ton, der für den Zeitpunkt der Explosion steht und den Opfern gedenken lässt. Der gesamte Vorfall wird sehr gut im Peace Museum aufgearbeitet, dessen Besuch meiner Meinung nach Pflicht ist. Neben den historischen Fakten werden die Auswirkungen der Atom Bombe sehr anschaulich vermittelt. Besonders der zweite Teil der Ausstellung, bleibt mit seinen authentischen Exponaten und Fotos lange im Gedächtnis. Trotz der präsenten Tragik erweist sich Hiroshima als sehr hübsche Stadt. Ganz besonders wenn die Kirschblüte ihren Einzug hält und die Japaner ihren Hanami nachgehen.

Damit darf ich mich für heute verabschieden und verspreche noch fehlende Ereignisse alsbald nachzutragen. Möge man mir diese Schluderei nachsehen.

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